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 Der Mensch, eine lebendige Seele

Als Gott die Gestalt Adams aus Lehm formte, so berichtet Moses in seinem Schöpfungsbericht, blies er ihm zum Schluss seinen Atem (Hebr. Neschama) in die Nase. Daraufhin transformierte sich die Materie zu einer lebendigen Seele (Hebr Nefesch) aus Fleisch und Blut. Der Tanach, die Bibel der Juden (Altes Testament in der christlichen Bibel), schreibt nefesch weder eine Existenz vor der Entstehung des Körpers noch Unsterblichkeit zu, und nefesch tritt nirgends losgelöst vom Körper auf.Diese Ansicht vertraten auch Jesus und die Apostel. Eine Trennung von Seele und Körper entstammt der griechischen Philosophie unter dem Einfluss von Platon und Sokrates.

Die Seele im AT

Nefesch ist als der belebende Atem die Lebenskraft, die den Menschen beim Tode verlässt, und das Leben, das bedroht, riskiert oder ausgelöscht wird.

„Da ward der Mensch eine lebendige Seele (Nefesch).“ 1.Mos. 2.7

„Da ihr aber die Seele (Nefesch) ausging, dass sie sterben musste, hieß sie ihn Ben-Oni; aber sein Vater hieß ihn Ben-Jamin.“ 1. Mos.35.18

„Kommt ihr aber ein Schade daraus, so soll er lassen Seele (Nefesch)  um Seele.“ 2.Mos.21.23

„Wenn aber eine Seele aus Frevel etwas tut, es sei ein Einheimischer oder Fremdling, der hat den Herrn geschmäht. Solche Seele (Nefesch) soll ausgerottet werden aus ihrem Volk.“ 4.Mos.15.30

Nefesch steht also auch für den gesamten Menschen mit Einbeziehung des Körpers und bedeutet dann „Person“ (auch beim Zählen von Personen). Der Mensch hat nicht eine Nefesch, sondern er ist sie und lebt als Nefesch. Daher wird Nefesch auch als Ersatz für ein Pronomen verwendet, etwa in der Bedeutung von „jemand“. Auch der Gott JHWH hat eine Nefesch, bei der er schwört.

„Denn der Herr, Herr hat geschworen bei seiner Seele (Nefesch), spricht der Herr, der Gott Zebaoth.“  Amos 6.8

In poetischen Liedern (Psalmen) wird die Seele oftmals zur Redefigur, mit den eigenen Gefühlen verbunden oder personifiziert.

„Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.“ Ps. 84.3

„Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele!“ Ps.146.1

„Meine Seele sei stille zu Gott, der mir hilft.“ Ps.62.2

„Erfreue die Seele deines Knechtes; denn nach dir, Herr, verlangt mich.“ Ps.86.4

„Ich hatte viel Bekümmernisse in meinem Herzen; aber deine Tröstungen ergötzten meine Seele“ Ps.94.19

 

Die Seele im NT

Durch die griechischer Sprache, mit der die Schriften des NT in Europa verbreitet wurden, wurde aus „Nefesch“ „Psyche“. In der Antike wurde „Psyche“, ebenso wie „Nefesch“ für „Atem“, „Hauch“ und auch für den ganzen Menschen verwendet. Nach griechischer Denkart auch „ein Ort, menschlichen Denkens und Fühlens“. Durch die Philosophie Platons (428-348 v. Chr.), die Körper und „Psyche“ von voneinander trennte, übernahmen die in der griechischen Philosophie erzogenen Christen im Neuplatonismus später diese unbiblische Vorstellung und machten sie zu einem kirchlichen Dogma.

Jesus und die Apostel benutzten den Begriff Seele, wie im AT, in unterschiedlichen Zusammenhängen sowie als Redefigur und personifiziert.

„und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut!“ Luk.12.19

„Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele löse? Mark.8.37

„Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibet hier und wachet mit mir!“ Math.26.38

„Mein Lieber, ich wünsche in allen Stücken, dass dir's wohl gehe und du gesund seiest, wie es denn deiner Seele wohl geht.“ 3.Joh.1.2

„Jesus aber sprach zu ihm: "Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte." Math.22.37

„Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wes wird's sein, das du bereitet hast?“ Luk.12.20

„Ich rufe aber Gott an zum Zeugen auf meine Seele, dass ich euch verschont habe in dem, dass ich nicht wieder gen Korinth gekommen bin.“ 2.Kor.1.23

„Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi.“ 1.Thes.5.23

„Wer da sucht, seine Seele zu erhalten, der wird sie verlieren; und wer sie verlieren wird, der wird ihr zum Leben helfen.“ Luk.17.33