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 Der Antichrist

Ein Begriff, der in der heutigen Zeit nicht immer die Bedeutung hat, den er in der Antike hatte. Auch die unterschiedliche Auslegung der Bibeltexte, die zu diesem Thema vorhanden sind, macht es nicht leicht, die Wahrheit zu entdecken. Die hier angeführten Bibeltexte und Erklärungen sollen dazu beitragen, den Lesern zu helfen die jeweilige Erkenntnis zu verbessern.

1. Die Bedeutung der altgriechischen Präposition „Anti“ in der Welt der Antike.

Bevor man sich dem Thema „Antichrist“ ernsthaft widmet, muss bekannt sein, was dieses Wort sprachlich damals bedeutete und in welchem Zusammenhang es von den Schreibern der Antike sowie des NT angewandt wurde. Wie in fast allen Sprachen, haben einzelne Wörter oft mehrere, z. T. unterschiedliche Bedeutungen. In dem vorliegenden Fall sind es nach einstimmiger Expertenmeinung für Altgriechisch nur zwei. 

a) Zum Einen wurde das Vorwort „anti“ von den antiken Schreibern - wie auch im heutigen allgemeinen deutschen Sprachgebrauch - meistens in der Form von „gegen“, „gegen etwas sein“ gebraucht. Wie z. B. Antievolutionist, Antisozialist, Anti-Pol, Antichrist usw..

  b) Aber es bedeutete auch sehr oft: „davor“ oder „vor“ sowie auch „anstelle von“ bzw. „stellvertretend“. Erst aus dem textlichen Zusammenhang erkannte der Leser, was der Schreiber mit dem Wort gemeint hatte. In dieser Anwendung benutzen wir es heute kaum noch, aber die antiken Autoren, wie z. B. Lucianus, nahmen das Wort für den Begriff „Ersatzperson“, z. B. wie bei der Bezeichnung „Prokonsul“, also jemand der stellvertretend den Platz des Konsuls einnimmt oder für einen, der anstelle eines anderen als Gast erscheint, usw..

Im Lateinischen wird diese Bedeutung mit dem Wort „vicar“ wiedergegeben. Wir finden es heute noch in dem päpstlichen Anspruch „Vicarius filii dei“ (Stellvertreter des Sohnes Gottes) wieder.

2. Der Begriff „Antichrist“ in der Bibel

Der Apostel Johannes ist der einzige Schreiber des Neuen Testamentes, der das Wort „Antichrist“ in der Einzahl, bezogen auf eine Person und im Plural, auf mehrere Personen, anwandte. Wobei er damit wohl in der Mehrzahl diejenigen bezeichnen wollte, die von ihrer Gesinnung her gegen Christus eingestellt waren. So schrieb er:

„Und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind schon viele Antichristen gekommen“ (1.Joh. 2.18).

  Er verweist also zuerst auf einen bestimmten („der Antichrist“), der noch nicht da war und danach weitet er den Begriff auf alle aus („viele Antichristen“), die offensichtlich (römische Kaiser, jüdische Pharisäer usw.) oder im geheimen (Heuchler, Verräter, Irrlehrer usw.) schon zu seiner Zeit Gegner von Jesus Christus waren. Um willkürlichen Anschuldigungen in der Gemeinde vorzubeugen, beschrieb er mit einem einfachen Kennzeichen die vielen Antichristen in seinen Tagen.

„Wer ist ein Lügner, wenn nicht, der da leugnet, dass Jesus der Christus sei. Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet“ (1. Joh. 2.22).

  Viele Theologen haben seit der Reformation den Satz so ausgelegt, dass nach dieser Definition es niemals ein Papst sein konnte, da alle Päpste weder den Sohn noch den Vater leugneten. Doch dieses Verständnis greift zu kurz. Denn Johannes hatte seinen Glaubensgeschwistern ein Kennzeichen gegeben, wohl wissend, dass es mehrere davon gab. Während er das Wort im Sinne einer Gegnerschaft anwendet, so finden wir den „Antichristen“ beim Apostel Paulus im Wort „Widersacher“, aber auch in seiner zweiten Bedeutung als „Stellvertreter Gottes“, wenn er schreibt: „der da ist der Widersacher und überhebt sich über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott“ (2. Thess. 2.4).

  Obwohl Paulus ein anderes griechisches Wort für „Widersacher“ benutzt, ist es in seiner Bedeutung wie die Präposition „anti“ (Widersacher = Gegner oder Stellvertreter), die später von Johannes gebraucht wurde, vergleichbar.

„und alsdann wird der Frevler offenbart werden, welchen der Herr Jesus umbringen wird mit dem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt.“

„Denn der Frevler wird auftreten in der Macht Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern.“ 2.Thess.2.8 +9

„Und es tat sein Maul auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und sein Haus und die im Himmel wohnen.

Und ihm ward gegeben zu streiten gegen die Heiligen und sie zu überwinden. Und ihm ward gegeben Macht über alle Geschlechter und Völker und Sprachen und Nationen“ Offb.13.6+7

Für ausführlichere Informationen über den Antichristen und seine Aktivitäten bis in unsere Zeit hinein sei das Buch „Der Antichrist Ein Vermächtnis der Reformatoren“ empfohlen. Bestellung unter „Literatur“.